Liebe Erstsemester

Liebe Erstsemester,

ihr steht nun am Anfang eures Studiums. In den kommenden Wochen wird viel über Perspektiven gesprochen. Über das, was man nach dem Studium machen will und kann. Über Hardfacts, über den Sinn hinter Vorlesungen und Seminaren. Über Leistungsnachweise, Unibürokratie und Lerntechniken. Ich denke ich kann euch ein Paar Ratschläge nennen, mit denen der Einstieg besser klappt. Nun denn:

Nehmt jede Party mit
Ja, das ist anfangs hart, aber ihr braucht soziale Kontakte und Menschen, die euch inspirieren. Außerdem hat keiner gesagt, dass das Studium leicht wird. Wenn ihr von Anfang an nur in der Bib rumhängt und lernt, wird nichts aus euch, glaubt mir, ich habe das oft genug beobachtet. Keine Sorge: Euer Bierkonsum wird im Laufe des Studiums langsam von allein dem Kaffee weichen, die ersten Semester bleiben partytechnisch die heftigsten.

Vermeidet blinde Zielstrebigkeit
Mit jedem Semester werdet ihr neue Pläne machen, da ihr ganz automatisch neue Perspektiven hinzu bekommt. Das ist nichts schlimmes, ganz im Gegenteil: Wenn euch Leute vorwerfen, ihr wärt „Sprunghaft“ in euren Entscheidungen, lasst euch davon nicht unterkriegen. Diese Sprunghaftigkeit zeugt nur davon, dass ihr euch intensiv Gedanken über eure berufliche Zukunft macht und nicht so festgefahren seid, wie der eine Typ der schon „sein ganzes Leben lang“ Richter werden will. Schön für ihn, aber nicht jeder Lebensentwurf muss so aussehen.

Bleibt Menschen
Arbeitet dagegen an euch zu Produkten zu erniedrigen. Das ist schwer, denn die Uni versucht euch bei jeder Gelegenheit zu etwas zu formen, dass auf dem Arbeitsmarkt Bestand hat, unabhängig von euren eigenen Interessen (Stichwort Verschulung). Bleibt Menschen, und vor allem: Seid fair zueinander. Ihr seid keine Konkurrenten, ihr seid eine Gemeinschaft. Zieht euch gegenseitig mit und versucht euer Wissen zu teilen, anstatt es gegeneinander zu verwenden. Seiten aus Büchern in der Bib rausreißen ist was für den Typen, der schon „sein ganzes Leben lang“ Richter werden will und dann merkt, dass seine Kommilitonen besser sind als er. Werdet bitte nicht so.

Findet euer eigenes Tempo
Ich höre jedes Jahr aufs neue Erstsemester in der Bahn miteinander sprechen und sich gegenseitig erzählen, dass man die Anforderungen auch locker in 5 Semestern machen kann. In meinen Studienberatungen für studieninteressierte Schüler/innen bekomme ich zusätzlich immer häufiger den Eindruck, dass es nur noch darum geht so schnell wie möglich zum Abschluss zu kommen. Doch darum geht es nicht im Studium. Studieren ist die Möglichkeit zur Entfaltung. Es ist eine Chance, eure Interessen zu suchen, zu finden und sie auszubauen. Jeder braucht unterschiedlich lange für diese Entwicklung, lasst euch also nicht in irgendwelche Schablonen drücken, in die ihr nicht reinpasst.

Werdet aktiv
Engagiert euch in einer Partei oder einem Verein. Nehmt einen Nebenjob an, im Idealfall an der Uni. Lernt ruhig mal die Fachschaftler kennen und wenn euch die Arbeit dort gefällt und ihr trinkfest seid, dann tretet ihnen bei. Geht auch mal demonstrieren. Nutzt eure Zeit für einen Blick über den Tellerrand – das wird nie wieder so leicht gehen, wie im Studium.

Akzeptiert Rückschläge
Ihr seid jetzt sehr auf euch allein gestellt. Ihr werdet eure Stundenpläne selbst machen, eigenständig Arbeiten anfertigen und nach eigenem Gewissen für Prüfungen lernen. Ihr macht das in der Form zum ersten Mal in eurem Leben, also erwartet nicht, dass alles auf Anhieb gelingt. Studieren ist – unabhängig des Studiengangs – immer auch das Aneignen von Selbstständigkeit und Durchhaltevermögen.

Lernt mit Geld umzugehen
Lehrjahre sind keine Herrenjahre, bleibt bescheiden und möglichst liquide. Ich weiß wie schwer das ist, aber früher oder später muss man es lernen, fangt also gleich damit an und bestellt nicht jeden Tag Pizza, nutzt das Semesterticket und zieht WG-Partys teuren Clubs vor. Ist eh geiler um Leute kennen zu lernen.

Soviel von meiner Seite. Habt einen guten Start ins Studium und genießt die nächsten 3 bis 53 Jahre!

Tom

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